Stellungnahme: „Die Patrioten“

Stellungnahme: „Die Patrioten“

Zurzeit kursiert ein Bild aus einer geschlossenen Gruppe durch das Internet. Die Gruppe um die es sich handelt nennt sich „Die Patrioten“. Auf dem geposteten Bild ist eine Pizzaschachtel der Marke „Die Ofenfrische“ zu sehen, auf der Anne Frank (http://www.annefrank.org/de/Anne-Frank/) abgebildet ist.
Viele Seiten haben, vollkommen zu Recht, empört darauf hingewiesen und Anzeige erstattet. Mittlerweile ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Ich habe zwar schon auf einigen Seiten dazu Stellung bezogen, unter anderem auf der Seite von „Verein „Bündnis Fulda stellt sich quer – gegen Rassismus“, dennoch möchte ich auch an dieser Stelle Position dazu beziehen.

Ob dieses Bild antisemitisch ist, steht für mich nicht zur Diskussion. Es handelt sich hier nicht mehr um schwarzen Humor, sondern eindeutig um eine Grenzüberschreitung, die so nicht akzeptabel ist. Auch wenn meine Position zum Judentum eigentlich bekannt ist und ich erst diese Woche auf der Eröffnung der jüdischen Kulturwochen war, ist es mir noch einmal wichtig zu betonen, dass mir der Kampf gegen Extremismus – allen voran der Antisemitismus – eine besondere Herzensangelegenheit ist. Wie wichtig das Thema ist, wurde mir auch gestern beziehungsweise heute wieder bewusst, als ich ein Video zur Reichspogromnacht gepostet habe. Sofort kamen Kommentare wie „Schuldkult“ oder „Der Mist muss aufhören“.

Ich gebe zu, ich fühle mich nicht schuldig. Warum auch? Ich habe auch mit vielen Juden gesprochen, und keiner ist der Ansicht, dass wir uns schuldig fühlen müssten. Aber wir sollten uns verantwortlich fühlen. Denn Geschichte ist immer dazu da, um aus ihr zu lernen. Sowohl von den guten als auch von den schlechten Dingen. Eines steht für mich fest: Eine Zeit wie damals darf es niemals wieder geben.

Doch zurück zu dem „Pizzaschachtel-Post“. In der Gruppe sind scheinbar über 50 Abgeordnete der AfD, welche nun alle kollektiv des Antisemitismus bezichtigt werden. Was ich persönlich für falsch halte. Denn diese Sippenhaft ist weder sinnvoll noch zielführend. Warum ich das so sehe? Ganz einfach, gerade in der AfD wird man immer wieder in neue Gruppen hinzugefügt. So bin ich mittlerweile in 243 Gruppen (Stand letzter Mittwoch), und das, obwohl ich teilweise direkt wieder aus Gruppen austrete, zu denen ich hinzugefügt werde.
Bei so einer großen Anzahl an Gruppen und einer dann doch größeren Menge an Facebook-Freunden wird der Facebook-Newsfeed schnell unübersichtlich und viele Nachrichten werden einem nicht mehr eingeblendet. So kann man also nicht automatisch davon ausgehen, dass jeder Abgeordnete in dieser Gruppe den Post gesehen hat. Darum gilt, wie immer in Deutschland, erst einmal die Unschuldsvermutung. Wenn jedoch jemand darunter das ganze zustimmend kommentiert oder sogar geliked haben sollte, bin ich der letzte, der einer „Beschuldigung“ im Wege steht.

Außerdem gibt es tatsächlich einige fragliche Gruppen in denen man sich als Politiker bewusst aufhält um eben zu sehen, wer welche Einstellung teilt und befürwortet. Denn nur so kann man wissen, wen man meidet oder sogar bekämpft. Eines ist klar, solche Vorfälle wie dieser sind inakzeptabel, und deswegen bin ich froh, dass die Staatsanwaltschaft ermittelt. Es zeigt leider auch, dass wir Menschen immer wieder dazu neigen, aus etwas, das eigentlich positiv gedacht ist, etwas Negatives zu machen. Ob es nun die Entdeckung der Atomspaltung war oder eben die sozialen Netzwerke. Erst vor kurzem ging Facebook sogar so weit, gewisse Algorithmen nicht mehr öffentlich zugänglich zu machen, da sie von Antisemiten genutzt wurden, um gegen Juden zu hetzen.

Ich wünsche mir, dass wir Menschen, die wir uns stets als die Krone der Schöpfung sehen, eines Tages miteinander in Frieden auskommen können und nur noch auf der Sachebene miteinander diskutieren und streiten.

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